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Welche (guten) Gründe sprechen für eine Rückkehr zum Mond nach 50 Jahren? 20.05.2019 |  7 Minuten

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Jean-Christophe Hénoux, Leiter des Bereichs Future Programmes von ArianeGroup, nennt uns sieben davon.

Weil sich die Menschheit auf die Zukunft vorbereiten muss

Wie können wir uns die Menschheit ohne neue Grenzen vorstellen? Die geophysischen Eigenschaften des Mondes machen ihn zu unserem vorgelagerten Standort für weitere Vorstöße in den Weltraum. Aus dem vorhandenen Regolith können Sauerstoff, Wasser und Kraftstoff für Menschen und Fahrzeuge produziert werden. Es werden sich Logistikdienste entwickeln, z. B. für immer mehr Objekte in der Umlaufbahn.

Weil es eine ökologische Herausforderung ist

Für den langfristigen Aufenthalt von Menschen auf dem Mond ist ein sparsamer Umgang mit natürlichen Ressourcen erforderlich. Dabei muss auf Recycling gesetzt werden. Einige der entwickelten Technologien sind möglicherweise direkt auf die Erde übertragbar. Sie können dazu beitragen, wertvolle Ressourcen zu schützen. Womöglich helfen sie auch, unwirtliche Regionen bewohnbar zu machen, z. B. Wüsten.

„Photographisches Mond-Atlas“, Loewy und Puiseaux © Musée d’Orsay, Dist. RMN-Grand Palais / Alexis Brandt

Weil wir dann auf der Erde besser leben werden

Satellitenkommunikation, Navigation, Erdbeobachtung, Isoliermaterial usw. Es gibt eine lange Liste an Weltrauminnovationen, die unseren Alltag erleichtert haben. Sie wird noch länger werden, wenn der Aufenthalt des Menschen auf dem Mond sicher und angenehm gestaltet werden soll. Z. B. könnte eine effizientere und zugänglichere Telemedizin Menschen an abgelegenen Orten auf der Erde zugutekommen.

Weil es sich dabei um einen Markt mit einem Wert von mehreren hundert Milliarden Dollar handelt

Der Weltraum kann als nächster Beschleuniger der Weltwirtschaft betrachtet werden. Finanzanalysten sprechen von einem Markt mit einem Wert von mehr als 1.000 Milliarden Dollar bis 2040. Er wird durch die Vervielfachung der Dienste entstehen, die Privatpersonen und Unternehmen gleichermaßen Zugang zur Erdumlaufbahn zu verschaffen. Können sich Europa und seine Unternehmen leisten, nicht dabei zu sein?

Von der Erde zum Mond © ArianeGroup

Weil Europa unabhängig bleiben muss

Mit Ariane hat sich Europa unabhängigen Zugang zum Weltraum gesichert, der unentbehrlich für seine geopolitische Autonomieist. Ebenso hat sie seine Vision einer gemeinsamen, geregelten und verantwortungsvollen Nutzung des Weltraums gefördert. Auch die USA, China, Russland und Indien interessieren sich für den Mond. Wenn Europa sich der Herausforderung nicht stellt, kann es dann noch mit über die Spielregeln bestimmen?

Weil der Mond die Europäer fasziniert

Der Mond beflügelt unsere Fantasie. Dies zeigen z. B. Ausstellungen im Grand Palais in Paris oder in der Cité de l’Espace in Toulouse, deren Schirmherr wir sind. Das im Rahmen des Projekts ISRU* geformte Team bringt Nationen zusammen: Deutsche, Franzosen, Belgier, Niederländer, Polen usw. Gemeinsam werden die Europäer große Taten vollbringen. Genau wie mit Ariane wird es auch mit dem Mond klappen!

Mondbasis © ESA / Foster + Partners

Weil es ein umsetzbares Projekt ist

Die Amerikaner haben 25 Milliarden Dollar für das Apollo-Programm ausgegeben, das entspricht heute 130 Milliarden Dollar. ISRU wird 250 Millionen Euro oder 2% des ESA-Haushalts 2019 oder… 50 Cent pro EU-Bürger kosten. Dieses Geld sollte man sich auf keinen Fall sparen, wenn offensichtlich ist, dass all diese Mittel in die europäische Forschung und Industrie reinvestiert werden.

* ISRU: In-Situ Resource Utilization (Vorort-Verwendung von Ressourcen)